Kleiner Gernegross

Ihr kennt mich ja jetzt schon eine Weile. Ich bin eine Hübsche und inzwischen sogar M1-zertifiziert, und auch mein aktuelles Gewicht (20.3 kg) ist dank einer kleinen List meiner Chefs kein Geheimnis mehr.

Ach wie gut dass niemand weiss …

Meine Grösse habe ich aber bisher niemandem verraten. Ich habe nämlich einen Höllen-Respekt vor allen möglichen technischen Geräten wie Waagen oder Linealen bzw. Zollstöcken und nehme immer Reissaus, wenn mich jemand auf, unter oder neben so ein schreckliches Ding stellen will. Da muss auch unsere Tierärztin regelmässig kapitulieren 😇

Aber irgendwie überlisten sie mich dann doch manchmal: mein Vize-Chef nimmt mich nämlich auf den Arm, da fühle ich mich immer sehr sicher und strample überhaupt nicht. Dann steigt er mit mir gemeinsam auf die Waage und liest unser gemeinsames Gewicht ab. Danach steigt er nochmal alleine auf die Waage und liest nochmals ab: die Differenz der beiden Messwerte entfällt dann wohl auf mein Gewicht …

Nur bezüglich meiner Grösse mussten sie bisher immer rätseln und schätzen. Denn egal ob sie mich mit Gewalt oder List unter oder neben ein Massband halten wollten, habe ich immer derart gestrampelt und mich gewehrt, dass jegliche Messung grob verfälscht gewesen wäre.

Seit heute hat das Rätseln bezüglich meiner Grösse für meine Chefs aber anscheinend ein Ende. Und das kam so:

Anlässlich eines Impf-Termins bei meiner Tierärztin kam die Frage nach meiner Grösse «von offizieller Seite» erneut auf. Und wieder konnte ich mich erfolgreich einer Messung entziehen … 💪

Wieder zurück zu Hause, meinte Chefin dann, dass sie mich mit Geduld und einem Haufen Guetsli schon an das 60 cm lange Metallineal gewöhnen würde. Die Guetsli habe ich natürlich gerne mitgenommen – bin ja nicht nur hübsch, sondern auch intelligent! Und dann meinte sie, dass wir nach genügend Gewöhnung das Lineal einfach in einer geeigneten Höhe horizontal montieren würden und dann daran entlang _peilen_ könnten.

Das war der Moment, als beim Vize-Chef endlich der Groschen fiel. Mit «Peilen» hatte er nämlich schon bei schwierigen Messungen an seinen Töff sehr gute Erfolge erzielt. Und die benötigten Zutaten hatte er bereits sämtlich in den Schubladen seines Schreibtischs liegen: Metalllineal, Geodreieck, Laserpointer.

Mehr benötigt man nicht: Lineal, Geodreieck, (zylindrischer) Laserpointer

Gesagt – getan!

Der Laserpointer wurde mit Klebestreifen am horizontalen Schenkel des Geodreiecks befestigt. Das Geodreieck verschiebt man dann vertikal entlang einer Rille des z.B. an einem Türfalz senkrecht ausgerichteten Lineals. Der Laserstrahl kann nun horizontal den Raum in einer messbaren Höhe überstreichen. Dabei __unbedingt__ die nötige Vorsicht im Umgang mit Laserpointern einhalten und darauf achten, nicht die Augen des Hundes zu treffen!

Vertikal verschieben bis das Hundefell an Widerrist vom Laserstrahl touchiert wird

Chefin hat mich dann weiter mit Guetsli abgelenkt, während Vize-Chef das Geodreieck mit horizontal montiertem Laserpointer entlang des senkrecht an einer Wand plazierten Lineals so weit verschob, bis der Laserstrahl so gerade eben das Fell an meinem Widerrist kitzelte, berührungslos, stressfrei und schmerzlos. Ich habe noch nicht einmal etwas davon gemerkt. Bis auf die Guetsli – die waren im Fall sehr schmatzig.

Laserpointer streift gerade meinen Widerrist – hat überhaupt nicht weh getan!

Jetzt wissen sie endlich, dass ich knappe 51 cm klein bin. Chefin schien ein wenig enttäuscht, denn dieser Wert liegt lt. Rassestandard am unteren Ende des Toleranzbands für reinrassige Appenzeller Sennenhündinnen.

Aber wie Ihr Euch denken könnt, finde ich mich schon ganz gut so wie ich bin. Vielleicht wachse ich in den kommenden Monaten der Chefin zuliebe ja doch noch ein paar Millimeter in die Höhe. Schau’n wir mal …

Ein Gedanke zu “Kleiner Gernegross”

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