Das Erbe der Zucht macht Kummer!!

In letzter Zeit denke ich oft: wohnen wir mit unserer Appenzellerin wirklich am richtigen Ort? Je älter sie wird umso mehr schenkt sie den Kühen ihre ganze Aufmerksamkeit, nicht immer zu meiner Freude. Dazu weiter unten mehr.

Mit meinen früheren Hunden war mir dieser Trieb nie so wirklich aufgefallen, da wir eher in kuharmen Gegenden gelebt hatten. Dieser extreme Wille sich mit den Kühen zu beschäftigen kam somit nie so wirklich zum Vorschein.

Liest man aber im FCI-Standard nach, heisst es bei der Verwendung klar: Treib-, Hüte-, Wach-, Haus- und Hofhund. Vermutlich ist das Treiben nicht bei allen Hunden gleich stark ausgeprägt, wie ich bei benachbarten Hunden schon beobachten konnte. Bei Xändi ist dieses Treibpotenzial aber sehr stark ausgeprägt.

Dieses Potential musste ich leider innert kurzer Zeit drei Mal erleben und das ist keine schöne Sache. In diesen Momenten hatte ich wahrlich keine Freude an Xändi. Ich kenne hier viele Bauern und die welche ich nicht kenne, kennen ganz bestimmt uns. Ich war immer darauf bedacht, dass wir nicht negativ auffallen und jetzt das.

Wie kam es dazu? In den Sommermonaten ist es praktisch ein Ding der Unmöglichkeit, den Hund frei laufen zu lassen, entsprechend war ich meistens mit der Schleppleine unterwegs. Ende Oktober, anfangs November, je nach Wetterlage, werden dann die Kühe langsam eingestallt und die Zäune entfernt.

1. Ereignis

Unweit von uns entfernt befindet sich ein kleines Bachtobel umgeben von einem kleinen Wald. Darin gibt es einen sehr kurzen Vita-Parcours und eine kleine Viehweide, welche sehr selten benutzt wird. Immer wenn ich die Weide erreicht habe und sie ist leer kann ich Xändi mit gutem Gewissen laufen lassen.

Einmal nicht richtig aufgepasst und schon war es geschehen. Trotz warten und Blickkontakt sauste Xändi wie der Blitz ans Ende der Weide. Hier gab es eine kleine verdeckte Stelle und da standen so 8 – 10 Rinder. Diese wurden nun in meine Richtung getrieben. Da half alles Rufen und Schreien nichts, sie war in einem «Tunnel». Zum Glück kam mir der Bauer zu Hilfe. Mit einem gekonnten Wurf der Mistgabel, er hat Xändi natürlich nicht getroffen, war ihre Aufmerksamkeit abgelenkt und ich konnte sie abrufen.

«So gaht’s dänn nöd»!! Wo er Recht hat, hat er Recht. Ich hätte im Erdboden versinken können. Zum Glück war es einer der Bauern, mit dem ich einen sehr netten Kontakt habe. Später habe ich mich nochmals mit einer guten Flasche Wein bei ihm entschuldigt.

2. Ereignis

Der Herbst war zwei Wochen weiter fortgeschritten. Auf zwei grosse Weiden, ebenfalls getrennt durch ein kleines Bachtobel umgeben von Wald hatte ich vortags festgestellt, dass die Bauern zu unserer Freude die Weidezäune entfernt hatten, heisst die Kühe wurden eingestallt.

Einer kleinen Weide unterhalb, noch mit alten Holzzäunen eingezäunt, hatte ich bis anhin keine grosse Beachtung geschenkt. Seit wir hier wohnen wurde hier lediglich das Gras gemäht, Kühe habe ich in den 2 1/2 Jahren noch nie gesehen.

Jetzt könnt Ihr Euch ja sicher denken was kommt! Xändi war also frei, Abruf hatte vorher wunderbar geklappt, aber kaum näherte ich mich dem Wäldchen sauste sie los. Als ich aus dem Wald heraus kam, konnte ich nur noch mit Schrecken feststellen, dass eine kleine Herde Angus-Rinder, Mutterkühe mit Jungtieren, auf der Weide standen.

Die Kühe liessen sich jetzt aber nicht ganz so leicht herumtreiben, die Leitkuh ging sogar zeitweise auf Xändi los, was sie aber nicht besonders beeindruckte. Sie war viel zu flink um in Gefahr zu kommen. Als sie dann die Kühe in meine Richtung trieb und diese ziemlich geschlossen waren, konnte ich sie endlich abrufen und sie kam.

Keine Meisterleistung, aber wir hatten soweit Glück, dass nichts passiert war. Auf der restlichen Hunderunde gab es an dem Tag nur noch Leinenzwang.

3. Ereignis

Wiederum eine Woche später. Auf einer anderen Route hatte mir die Bäuerin tags zuvor gesagt, das Vieh sei jetzt eingestallt. Schön für uns. Ich liess Xändi mit dem gewohnten Ritual los, sie zeigte keinerlei Hektik. Durchatmen und dann doch wieder Horror. Hinter einer Ecke waren doch noch ein paar Kühe auf der Weide.

Dass die Weiden der Bauern so verzettelt sind, war mir bis dahin nicht bewusst geworden. Zudem war bis dahin hier auch noch nie Vieh gestanden. Flink war sie auf der Weide und die Bellerei ging los, aber sie machte keine Anstalten zu treiben. Auch konnte ich sie beim 3. Mal «Hier» abrufen.

Nochmals mit einem blauen Auge davongekommen, respektive kein Bauer hatte reagiert. Das war’s dann aber, sie darf nur noch frei laufen, wenn ich eine sehr grosse Weitsicht habe. Kein Risiko mehr!!

Fazit:

Bis dahin ist mir nicht bewusst gewesen, wie stark dieser Trieb ist und der Hund gar nicht anders kann. Meine Tierärztin in Appenzell hatte mir einmal gesagt: Man kann nicht, was seit -zig Generationen in der Zucht mit Schwergewicht ausgelesen wurde, in zwei, drei Generationen wieder neutralisieren.

Auch wenn Xändi beim Maintrailen super arbeitet, dieser Trieb kann meiner bescheidenen Ansicht nach damit nicht kompensiert werden. Wir werden weiter fleissig an der Impulskontrolle arbeiten und damit, man soll die Hoffnung nicht aufgeben, hoffentlich eine Verbesserung erreichen.

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