Alte Trails, wie geht mein Hund damit um??

Ist es wirklich möglich, dass ein Hund einen zwei Wochen alten Trail verfolgen kann? Selbst wenn inzwischen viel Bewegung darüber erfolgte, es geregnet oder geschneit hat? Ja, es ist kaum zu glauben, aber es ist möglich!!!

Es geht los!

Vor rund 10 Jahren war ich in einem Mantrailing-Seminar im Schwarzwald zusammen mit der Deutschen Rettungshundestaffel. Am Abend erklärte uns der Übungsleiter, dass für die zwei erfahrenen Hunde ein alter Trail ausgelegt worden sei.

An diesem Abend regnete es in Strömen und im Laufe der Nacht fing es auch noch an zu schneien. Am Morgen lagen ca. 20 cm Neuschnee. Ich konnte mir damals wirklich nicht vorstellen, dass die Hunde Erfolg haben würden. Doch weit gefehlt, die beiden Labradore arbeiteten ruhig und zielsicher. Nicht einmal hatte ich das Gefühl, sie wären unsicher. Beide kamen erfolgreich ans Ziel.

Diese Erfahrung motivierte mich, uns für den von Saskia (Hundumgesund) ausgeschriebenen Kurs «Alte Trails» anzumelden. Xändi hatte inzwischen auch schon viele Erfahrungen gesammelt und arbeitet im Grossen und Ganzen sehr gut.

Im Fürstenwald bei Chur angekommen, teilte uns Saskia mit, dass wir einen dreiwöchigen Trail auszuarbeiten hätten. Aha, drei Wochen und dann im Fürstenwald. Ein Freizeitgelände wo echt was los ist Jogger, Radfahrer, einige Feuerstellen mit Familen, teilweise ziemlich windig, das konnte spannend werden, wie würden das unsere Hunde meistern?

Ich staunte, jeder Hund kam gut ans Ziel, keine grossen Hilfen mussten geleistet werden. Da ich nicht weiss, wie die anderen Hunde normalerweise arbeiten, kann ich hier nur für Xändi sprechen. Sie ging nicht so schnell vorwärts wie sonst, manchmal hatte ich wirklich das Gefühl, dass sie zuerst überlegte, bevor sie weiterging.

Ich war sehr stolz auf die Leistung von Xändi. Gegen Schluss hatte ich gemerkt, dass sie langsam müde wurde, aber sie hatte sich im wahrsten Sinne des Wortes durchgebissen 🤗.

Nach einer ausgiebigen Pause mit kleinem Spaziergang und chillen machten wir im urbanen Gebiet weiter. Der Trail war jetzt nur «zwei» Wochen alt, zusätzlich fehlte nun aber am Ziel die Versteckperson, was in der Mantrailing Fachsprache mit «Negativende» bezeichnet wird. Das war für Xändi zusätzliches Neuland und ich war sehr gespannt, wie sie die Aufgabe lösen würde.

Der Trail war einfach nur gut, kein Zögern, kein Privatisieren, einfach nur konzentrierte, speditive Arbeit. Dann in der Einstellhalle kam das grosse Fragezeichen. Am Parkplatz Nr. 32 war die Versteckperson nämlich in ein Autogestiegen und weggefahren, also endete dort die Geruchsspur.

Es war so spannend zu sehen, wie Xändi fast punktgenau anfing herumzuschauen, so im Sinne: wo ist sie?!? Zuerst noch ein paar Meter weiter, dann wieder einen Kreis. Als sie mich das zweite Mal anschaute, habe ich sie mega gelobt. Sie hatte ja noch keine Idee wie sie es mir sonst anzeigen sollte. Ganz schnell setzte sie sich vor mich hin und wurde ausgiebig gelobt.

Einfach Hammer was unsere Hunde leisten können. Alle waren tief beeindruckt. Mit dem Wissen, was alles den Trail beeinflussen kann, geht das Staunen noch weiter. Ich erlaube mir an dieser Stelle ein paar wichtige aerodynamische Faktoren einzubringen, die uns Saskia vorab nieder geschrieben hatte.

Wind

Ein sehr wichtiger Mitspieler beim Trailen: Der Wind trägt die Geruchspartikel je nach Windstärke eventuell an die nächste Hauswand oder sogar mehrere hundert Meter über das offene Feld bevor sie in einer Ackerfurche liegen bleiben. 

Temperatur und Thermik

Sehr heisse und sehr kalte Temperaturen machen es schwierig für den Hund, Geruchspartikel wahrzunehmen. Abgesehen davon, ist das Trailen bei hohen und sehr tiefen Temperaturen sowieso gesundheitlich bedenklich. 

Ideal ist feuchtes Wetter, Feuchtigkeit belebt die Geruchspartikel. Regen wirkt zwar wiederbelebend, kann aber die Lage des Trails verändern, indem er Partikel einfach weiterspült. 

Warmer Asphalt kann die Geruchspartikel aufwirbeln und der Wind trägt sie dann wieder weiter. 

Bodenbeschaffenheit

Man nimmt an, dass der Zersetzungsprozess der Geruchspartikel auf Asphalt kürzer ist als auf natürlichem Untergrund. Darum ist es wahrscheinlich, dass sich Geruch auf natürlichem Boden länger hält. 

Es war ein sehr anstrengender Tag für uns beide und am darauf folgenden Tag hörte ich von Xändi nichts, ausser dass sie mal kurz raus wollte um ihr Geschäft zu verrichten. Sonst verbrachte sie den Tag mit schlafen. Dies war eine weitere Erfahrung für den Rucksack von Xändi und sie hatte ihre Aufgaben super gelöst!!

4 Gedanken zu „Alte Trails, wie geht mein Hund damit um??“

  1. Einfach klasse….Es ist erstaunlich wie das Trailen so eine Veränderung im positiven Sinne den Hund beeinflussen kann. Vorallem das einsteigen der Person in das Auto und dann noch weg zu fahren…..
    Erstaunlich wie Xändi dir dies auch angezeigt hat…. eine wirklich tolle Leistung.
    Viele Grüße Jeannette mit den Mädels

    1. Super Leistung von euch Beiden.
      Was Xändi und Du schon alles geschafft habt.
      Und sie ist noch so jung. Da wirst du noch viele tolle Dinge erleben.
      Wünsche euch weiterhin viel Spaß an der Suche.
      Und klar darf sie nach so einem anstrengenden Tag einfach mal ausruhen.
      Liebe Grüße von Oskar und mir. 🐶🐾🙋🏼‍♀️

  2. Das ist schon unglaublich, was unsere Hunde so leisten können. Ihr habt eine tolle Leistung vollbracht🐕🐾🚶‍♀️. Die ganze Arbeit, bis Xändi so weit gekommen ist, Hut ab🤗. Macht weiter so, wir freuen uns immer über die Berichte und die tolle Leistung
    LG Tommy, Elli & Co 🙋‍♀️

  3. Es ist schon erstaunlich, was Hunde leisten können, wenn man sie „fördert“…. In diesem Fall Xändi…👍🏻🐶💪🏻 Aber das funktioniert nur mit einem tollen Hundeführer….💪🏻👸🐶💪🏻
    Das ist wieder ein toller Beitrag und das habt ihr echt super gemacht….🤗👍🏻💪🏻
    Macht weiterhin so weiter, der der Erfolg und Spaß ist euerer….💪🏻👸🐶🤗😀🍀

    Letzt laß ich einen Artikel, den ich aber nicht mehr zusammenfassen kann….
    Ja, das Alter…😅
    Es ging um Menschen, die Hunde hassen.. 😔 Die sich über alles aufregen…. Am Ende hieß es dann, wir Hunde sind dann gut genug Menschen in Trümmern zu finden, gut genug ein Assistenthund zu sein und noch viele Dinge mehr…. Von der Liebe, die man von einem Hund bekommt, red ich jetzt gar nicht…. ❤️🐶❤️
    Das wollt ich jetzt gar nicht schreiben, aber ich tat es trotzdem….🤷🏻😅

    Macht weiter so, habt Spaß und Erfolg damit und denk dran, diese Zeit kommt nie zurück…..🤗👸🐶❤️💪🏻🍀

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